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Datenschutz, Werbetreibende und die SCHUFA

Vor ein paar Tagen habe ich eine Meldung gesehen, dass die Schufa (auf freiwilliger Basis!) Zugriff auf Kontoauszüge haben möchte. Jemand schrieb dazu: „Ihr habt doch alle angeblich nichts zu verbergen. Jetzt auf einmal doch? Heuchler.“ Bin ich einer dieser „Heuchler“, weil es mir bei Google und Co. auch komplett egal ist, ja sogar ganz recht ist, personalisierte Inhalte zu bekommen – ich diese Idee der Schufa aber gar nicht gut finde?! Darüber habe ich nachgedacht…

… und kam zu dem Ergebnis: Nein, das bin ich nicht.

Denn: Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook, die unsere Verhaltensweisen, Vorlieben, Käufe und so weiter tracken, tun dies, um uns genau das zu zeigen, was wir sehen wollen und es uns im nächsten Schritt zu verkaufen. Sie wollen Geld verdienen sowie unsere Nutzungsdauer erhöhen und speichern daher munter alles ab.

Aber: Was genau sie mir verkaufen können und was das über mich als Mensch aussagt, ist ihnen egal.
Es gibt kein Richtig und kein Falsch, nur aufgeteilte Zielgruppen.

Wenn sie sehen, dass ich mich für Glücksspiel interessiere, finden sie es vermutlich sogar toll. Weil sie mir dann extra viele schöne Werbeanzeigen dafür ausspielen können. Letzten Endes interessiert es sie aber nicht, ob ich daran teilnehme, mit wem ich befreundet bin (außer es sind Straftäter ^^), ob ich mein Leben auf die Reihe bekomme, wofür ich mein Geld ausgebe, ob ich eine Rechnung nicht bezahlt habe und so weiter. Wenn sie Langeweile haben, sollen sie doch meine Daten anschauen. Ich arbeite selbst bei einem Unternehmen im Online-Marketing, das Zugriff auf verdammt vielen Personendaten hat: Ich habe Einsicht in Millionen von Adressen und weiß, welche Nachrichten diese Person liest und was sie sich bestellt. Fremde Daten aus Langeweile angeschaut habe ich aber noch nie; um jemanden zu erpressen schon gar nicht. Womit auch erpressen? Damit, dass er*sie sich gerade eine PS5 bestellt hat und nun sehnsüchtig wartet?!

Foto von Artem Beliaikin von Pexels

Bei der SCHUFA gibt es aber sehr wohl ein Richtig und ein Falsch.
Das ist der ganze Zweck ihrer Arbeit.

Bei ihnen wäre das mit dem Interesse am Glücksspiel ein Problem. Ich bekäme keine gesponserten Beiträge, sondern Steine in den Weg gelegt, im ganz realen Leben. Gut, nun bin ich niemand, der sein Glück am Spielautomaten versucht und habe das auch nicht vor. Aber was ist, wenn ich irgendwann wegen meinem Hobby, Festivals zu besuchen als weniger zuverlässig eingestuft werde? Oder weil ich mal eine Videokamera auf Raten bezahlt habe, oder in einem Monat sehr viel Geld für Möbel ausgegeben habe, weit mehr als ich in diesem Monat verdient hatte? Wegen eines abgelaufenen Dauerauftrags hatte ich auch mal vergessen, die Miete zu bezahlen, bzw. nicht direkt gemerkt, dass es keine Überweisung gegeben hatte. Mein Vermieter fragte nach, ich überwies es manuell, Fall erledigt.
Würde Google das sehen, würde es mir Anzeigen für eine neue Wohnung zeigen. Würde die Schufa es sehen, würden sie mich nicht in diese neuen Wohnungen rein lassen. Und das ist für mich bei diesem Thema ein bedeutender Unterschied. Oder wie seht ihr das?

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-11/check-now-service-schufa-kontoauszuege-auskunft-bankgeheimnis-datenschutz

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